Gebäudereiniger stellt auf Öko-Reinigungsprodukte um


23.08.2019

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«Im Gegensatz zur sozialen Verantwortung den Mitarbeitenden gegenüber, fühlt sich für die Umwelt niemand verantwortlich. Das müssen wir ändern.»

Kostengetriebene Gebäudereinigungsfirmen und ökologische Reinigungsprodukte – zwei Dinge, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen. Warum diese Ansicht falsch ist und es sich für Reinigungsunternehmen durchaus lohnt, in die ökologische Reinigung zu investieren, hat uns Severin Gallo, CEO des Facility-Services-Anbieter gammaRenax, verraten. Wir sprachen mit ihm über die kürzlich erfolgte Umstellung auf ökologische Reinigungsmittel, den Stellenwert von Nachhaltigkeit in der Reinigungsbranche und Geschäftsleitungsmitglieder auf Toiletten-Reinigungsmission.

Herr Gallo, ist Nachhaltigkeitsmanagement zur «Chefsache» geworden?
Definitiv! Nachhaltigkeit gehört auf die Agenda der Geschäftsleitung. Es handelt sich dabei schliesslich um einen Weg, den man aus Überzeugung geht. Der Effekt ist vergleichbar mit dem Anzünden eines Streichholzes: Das Streichholz verfügt über eine hohe Brennkraft, es beginnt aber nicht von allein zu brennen. Eine initiierende Reibung ist nötig, um die Energie freizusetzen. Und so soll die Initialzündung zum Nachhaltigkeitsmanagement zwar von der Geschäftsleitung erfolgen, schlussendlich sind es aber dann die Mitarbeitenden, die in ihrer täglichen Arbeit und der Ausführung ihrer Abläufe darüber entscheiden, ob eine Unternehmung tatsächlich nachhaltig handelt oder eben nicht.

Stellen Sie bitte das Unternehmen gammaRenax kurz vor.
Mein Vater gründete 1985 das Gebäudereinigungsunternehmen Gamma Reinigungen AG. 1994 erwarb er zusätzlich das 1868 gegründete Facility-Services-Unternehmen Renax AG, eine Tochtergesellschaft der damaligen Swissair. Schliesslich erfolgte 2001 die Fusion der beiden Unternehmen zur gammaRenax AG. Die Unternehmung beschäftigt heute rund 1800 Mitarbeitende aus 63 verschiedenen Herkunftsländern und bietet schweizweit integrale Facility Services an.

Wie viele Kunden betreut gammaRenax und in welchen Branchen sind diese tätig?
Momentan betreuen wir rund 600 Kunden – allerdings in über 1600 Objekten. Vom Kultur- und Kongresszentrum KKL in Luzern über das Airline-Catering-Unternehmen Gate Gourmet am Flughafen Zürich bis hin zum Wasser- und Sportzentrum Ovaverva in St. Moritz vertrauen uns Kunden verschiedenster Branchen und aus allen Landesteilen der Schweiz.

Sie haben vier Dienstleistungs-Sparten, die Sie Ihren Kunden anbieten. Welche Sparte verzeichnet das stärkste Wachstum?
Genau, wir bieten unseren Kunden vier Sparten an: Hygiene (Reinigungsarbeiten), Areal & Pflanzen (z.B. Grünflächenpflege), Technik & Gebäude (z.B. technische Anlagewartung) und Infrastruktur & Dienste (z.B. Postdienst) Wir beobachten seit längerem einen Trend zur Bündelung von Gebäudedienstleistungen und integralen Managementaufträgen. In Folge dessen nehmen anteilsweise reine Unterhaltsreinigungsmandate ab und Infrastruktur-Leistungen, wie z.B. das Betreiben eines Empfangs, zu. Bei den Infrastruktur-Leistungen haben wir auch intern die grössten Fortschritte gemacht – beispielsweise durften wir kürzlich den Umzug eines biotechnologischen Labors planen und durchführen. Ich möchte aber festhalten, dass wir nicht einen einzelnen Bereich strategisch vorantreiben oder speziell bewerben, sondern für unsere Kunden der Schlüssel im optimalen Verbund liegt. Nur die bestmögliche Kombination aus unseren Dienstleistungen führt dazu, dass der Kunde seine Wertschöpfung nachhaltig verbessern kann. Und darum geht es ja.

Wie darf sich ein potenzieller Mitarbeiter die Unternehmenskultur bei gammaRenax vorstellen?
Das Teilen gemeinsamer Werte hat bei uns oberste Priorität. Wir betrachten alle Mitarbeitenden als Unternehmer oder Unternehmerin, weil sie an unseren Werten partizipieren. Das heisst im Umkehrschluss aber auch: Potentielle Mitarbeitende können zwar fachlich hochqualifiziert sein, wenn sie sich aber mit unseren Werten nicht identifizieren, stellen wir sie nicht ein. Das klingt vielleicht etwas hart, aber unser Credo lautet: Fähigkeiten können sich entwickeln, Werte nicht. Bei uns dreht sich alles um Glaubwürdigkeit, Respekt und Pionierdenken. Funktionen ersetzen Hierarchien. Vorgesetzte müssen bei uns das Handwerk ihrer Mitarbeitenden verstehen und beherrschen – wie sollen sie sonst führen und ihre Mitarbeitenden fördern können? Das geht so weit, dass beispielsweise unser Finanzchef in der Lage ist, an einer Diskussion über die Qualität von Reinigungsmitteln teilzunehmen oder ich als CEO bestens mit den Abläufen einer Sanitärreinigung vertraut bin. Steht beispielsweise ein neuer Toilettenreiniger zur Diskussion, bin tatsächlich auch ich derjenige, der das Produkt anlässlich einer «WC-Tour» auf Herz und Nieren prüfen kann. Es gibt bei uns übrigens auch keine Bestrafung für aus den «richtigen» Gründen gemachte Fehler, sondern Belohnungen für vorgeschlagene Lösungen.

Was bedeutet diese starke Werteorientierung für den Kunden?
Die Werteorientierung geht weit über die Mitarbeitenden hinaus und ist für den Kunden sofort erlebbar. Läuft etwas schief, lautet unsere erste Frage nicht «Was hat das für Konsequenzen für unsere Organisation?», sondern «Ist das Problem für den Kunden bereits gelöst?».

Sie stellten im September 2018 von herkömmlichen Reinigungsmitteln auf Hochkonzentrat-Reiniger der Wetrok Ökolinie um. Was ist der Grund dafür?
Unser Ziel ist es, immer besser und effizienter zu werden, in dem was wir tun. Wichtig ist uns aber auch, dass wir damit niemandem schaden. Eine Unternehmung steht im Spannungsfeld unterschiedlicher Anspruchsgruppen, wobei die Kunden die zentrale, nicht aber die einzige Anspruchsgruppe sind. So haben wir als Unternehmung auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Vor rund 15 Jahren wurde das Thema Arbeitssicherheit zur vieldiskutierten Frage und die Unternehmen haben auf Druck von Versicherungen und Gesetzen die Situation für ihre Angestellten erheblich verbessert. Im Gegensatz zu Mitarbeitern besteht bei der Umwelt aber das Problem, dass sich niemand für sie verantwortlich fühlt. Das möchten wir ändern und eine Vorreiterrolle in der Gebäudereinigung einnehmen.

Nachhaltigkeitsengagement und Kostenbewusstsein – sind diese Orientierungen überhaupt miteinander vereinbar?
Entgegen der Meinung vieler Gebäudereiniger handelt es sich dabei um keine Widersprüche. Im Gegenteil: Wählt man eine Betrachtung in der langen Frist, unterstützen sich diese beiden Orientierungen sogar gegenseitig. Was effizient ist, ist meist auch ökologisch. Verwende ich hochzentrierte Öko-Reinigungsmittel schone ich nicht nur die Umwelt, sondern spare durch den geringeren Ressourcenverbrauch auch Kosten für Wasser und Reinigungsmittel. Zusätzlich sind meine Mitarbeitenden durch die Umstellung auf Hochkonzentrat und umweltschonendere Reinigungsmethoden vom Schleppen schwerer Kanister befreit und benötigen für die Oberflächenreinigung beispielsweise nur noch eine kompakte Schaumflasche. Die ergonomischen Vorteile sind somit eine vorbeugende Massnahme gegen kostenintensive Krankheitsausfälle. Was will ein Unternehmer mehr?

Ausserdem geht es nicht nur um das Kostenmanagement, sondern darum, als Organisation Verantwortung für die sogenannten externen Kosten zu übernehmen. Externe Kosten, wie zum Beispiel die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch Abwasserverunreinigungen entstehen, sind Kosten, die nicht von den verursachenden Wirtschaftssubjekten getragen, sondern der Gesellschaft aufgebürdet werden. Mit der Umstellung auf ökologische Reiniger setzen wir so an zwei Punkten an: Einerseits sorgen wir dafür, dass weniger externe Kosten entstehen, andererseits versuchen wir, einen Teil der von uns verursachten externen Kosten zu tragen und diese somit zu internalisieren.

Sie suchten nach einem Anbieter hochwertiger Öko-Reinigungsmittel. Wie gestaltete sich der Evaluierungsprozess und weshalb ist die Wahl auf Wetrok gefallen?
Insgesamt haben sich zwölf Anbieter an der Ausschreibung beteiligt. Um den richtigen Partner zu finden, haben wir deren Produkte nach folgenden Kriterien bewertet: ökologische Auswirkungen, Anwendersicherheit, Anwenderfreundlichkeit, Wirksamkeit und Dosierfähigkeit. Zudem war es uns wichtig, einen verlässlichen Partner zu finden, der gesamtschweizerisch operiert und uns mit Produktunterlagen in drei Landessprachen versorgen kann. Das Kriterium Ökologie haben wir aber nicht nur nach dem Vorhandensein von Öko-Labels, wie z.B. dem Nordic Swan, bewertet, sondern auch danach, wie ernsthaft das Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit dem Thema umgeht. Einige Anbieter hatten zwar diverse ökologische Hochkonzentrats-Reiniger im Angebot – jedoch fielen diese bei anderen Parametern durch. Das hat uns nachdenklich gemacht. Die Wahl ist letztendlich auf Wetrok gefallen, weil Wetrok nicht nur alle Kriterien deutlich am besten erfüllte, sondern wir als namhafte Gebäudereinigungsunternehmung zusätzlich die Möglichkeit haben, Produkte und Verpackungen mitzugestalten.

Inwiefern haben Sie von dieser Mitgestaltungsmöglichkeit Gebrauch gemacht?
Ein konsequentes Farbsystem ist unserer Meinung nach die beste Präventionsmassnahme gegen eine Falschanwendung von Reinigungsmitteln. Insofern haben wir gemeinsam mit Wetrok entlang der gesamten Verwendungskette versucht, das Farbsystem noch stringenter umzusetzen und zu kennzeichnen. In der Branche ist es Usus, dass beispielsweise für jeden Einsatzbereich von Reinigungstüchern eine andere Tuchfarbe verwendet wird. So zum Beispiel blaue Tücher für Oberflächen und allgemeines Mobiliar. Wetrok unterstützt dies seit Jahren bereits zusätzlich: Auf den Wetrok Reinigungsmitteln befinden sich entsprechende Farbstreifen, die mit dem Farbsystem der Reinigungstücher übereinstimmen und so die Anwendung eingrenzen. Das war uns aber noch nicht genug. Erfreulicherweise konnten wir Wetrok davon überzeugen, auch den Flaschenkopf entsprechend der Bereichsfarbe einzufärben. So erhalten wir die Oberflächenreinigungsflaschen neu nicht nur mit einem blauen Farbstreifen auf dem Etikett, sondern zusätzlich mit blauem Flaschenkopf. Des Weiteren war es uns ein Anliegen, das Problem der Überdosierungen in den Griff zu kriegen. Wetrok hat nun auf kreative Weise dafür gesorgt, dass eine solche sofort sichtbar wird: Der Ökoreiniger Ecosal ist zwar blau gefärbt, man würde jedoch in der Reinigungslösung eine Überdosierung aufgrund der Farbintensität nicht erkennen können. Neu wird die Lösung mit einem leicht höheren Farbstoffgehalt versehen. So wird eine allfällige Überdosierung durch einen Farbumschlag zu einem dunkleren Blau bei einer Doppeldosierung sofort für jeden Anwender unübersehbar. Damit wird das Farbsystem für unsere Mitarbeiter zum Instrument für die Selbstkontrolle. Der verwendete Farbstoff ist übrigens umweltfreundlich und sogar für die Lebensmittelindustrie tauglich. Aber nicht nur bei der Farbe, sondern auch beim Etikett wurden unsere Anregungen berücksichtigt: So wurde beispielsweise das Etikett bei den Dosierflaschen auf allen Seiten durchgehend beschriftet. Das macht Fehlgriffe für unsere Mitarbeitenden nun praktisch unmöglich. Auch beim Design der Sprühflaschen durften wir mitwirken, sodass wir nun eine exklusiv für gammaRenax designte Sprühflasche im Einsatz haben. Ich bin überzeugt davon, dass Co-Creation Kunden wie auch Herstellern dazu verhilft, besser zu werden: Kundenseitig durch den Erhalt von massgeschneiderten Lösungen für spezifische Probleme und herstellerseitig durch das Erhalten wertvoller Kunden-Insights.

Wie muss man sich diese Umstellung auf ökologische Reinigungsmittel konkret vorstellen? Verwenden Sie nun ausschliesslich ökologische Reinigungsmittel?
Alles, was möglich ist, reinigen wir «ökologisch». Dies trifft beispielsweise bei der kompletten Sanitärreinigung zu. Im Zuge der Umstellung haben wir für unsere Mitarbeitenden einen speziellen Reinigungskoffer mit Reinigungsmitteln und Mikrofasertüchern zusammengestellt. Die Mitarbeitenden finden so alles für die Unterhaltsreinigung in einem einzigen Koffer. Es befinden sich darin vier polyvalent einsetzbare Reinigungsmittel. Drei davon sind mit einem Nachhaltigkeitslabel zertifiziert. Beim vierten handelt es sich um den Spotreiniger Wetrok Powersurf. Diesen Kompromiss mussten wir eingehen, weil keines der zertifizierten Produkte es derart effizient schafft, Schuhsohlen-Verschmutzungen zu entfernen. Worauf wir stolz sind: Die Reinigungsflaschen werden intern wiederbefüllt und so wiederverwendet. Somit setzten wir nicht erst beim Recycling an, sondern bereits beim ReUse. Was nämlich oft vergessen wird: Der ReUse ist die direkte Wiederverwendung, das Recycling erst die indirekte.

War für die Umstellung eine Schulung der Mitarbeitenden nötig?
Ungeachtet dessen, ob wir Produkte austauschen oder nicht, sorgen wir mittels regelmässiger Schulungen dafür, dass unsere Mitarbeitenden auf dem neusten Stand der Reinigungstechnik bleiben. Dafür haben wir an unserem Hauptsitz einen Teil des Untergeschosses zum Schulungsraum umfunktioniert. Im Falle der Ökoreiniger haben wir jedoch ein anderes Vorgehen gewählt: Wir haben die Reinigungskräfte in demjenigen Objekt geschult, in welchem sie regelmässig reinigen. So konnten wir die Mitarbeitenden in einer realen Umgebung mit der Anwendung der Ökoreiniger vertraut machen. Grundsätzlich ist die Anwendung beinahe selbsterklärend. Das Farbsystem beugt Fehlanwendungen vor. Wir erhielten anschliessend an die Schulung ausschliesslich positives Feedback. Die Umstellung haben unsere Mitarbeitenden als Chance gesehen, etwas Neues dazu zu lernen. Was mir besonders Freude bereitet: Die Reaktionen zeigen, dass sich die Mitarbeitenden mit unseren Werten identifizieren und das Pionierdenken in ihrer Denkhaltung verankert haben.

Sie sind bereits auf gutem Wege zu einer nachhaltigen Geschäftstätigkeit, kommunizieren Ihr diesbezügliches Engagement aber sehr zurückhaltend. Gilt bei Ihnen der zweite Teil des PR-Leitsatzes «Tue Gutes und rede darüber» nicht?
Ja, wir tun bereits einiges und unser ökologisches Bewusstsein hört bei den Reinigungsmitteln noch lange nicht auf. So sind wir ISO 14’001 und 50’001 zertifiziert, betreiben ab 2019 zum Beispiel Solaranlagen auf unserem Geschäftsgebäude und werden die Innenbeleuchtung am Hauptsitz auf LED-Lichter umstellen. Des Weiteren tragen unsere Mitarbeitenden Arbeitskleidung, die garantiert «fair» und ohne Kinderarbeit hergestellt wurde. Anstatt dies aber offensiv zu kommunizieren, verwenden wir unsere internen Ressourcen lieber dafür, unsere Nachhaltigkeitsanstrengungen noch weiter auszubauen. Etwas zu tun ist wichtiger, als darüber zu reden. Auch wenn ich dies nun ausnahmsweise gerade mache (schmunzelt)

Und zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie reinigen Sie zuhause?
Wie wohl (lacht)? Sie finden alle Wetrok Ökoreiniger auch fein säuberlich aufgereiht in meinem privaten Reinigungsschrank. Das sage ich übrigens nicht, weil die Öko-Linie Hauptgegenstand dieses Interviews war. Denn: Wenn ich beruflich von einem Produkt überzeugt bin, bin ich es privat allemal.